Deutschland-Vergaben KW 25/2026: 1,5 Milliarden Euro, 1.160 Zuschläge — das Volumen halbiert sich, aber die Breite wächst und der Bau führt zurück
Sechste Ausgabe unserer 14-tägigen Marktbeobachtung. Wir ziehen die Contract Award Notices aus TED — der offiziellen EU-Datenbank für öffentliche Aufträge — und sortieren, was in Deutschland tatsächlich vergeben wurde: wer hat gewonnen, in welchen Branchen, in welcher Größenordnung. Reine Daten, eigene Einordnung, keine Gerüchte.
Das Bild dieser Periode: ruhige Spitze, wachsende Breite. Das publizierte Gesamtvolumen fällt auf 1,50 Mrd EUR — gut die Hälfte der Vorperiode (KW 23: 3,45 Mrd, −56 %). Dieser Rückgang ist aber fast vollständig ein Basiseffekt: KW 23 wurde von einem einzelnen 1,36-Milliarden-Auftrag und einer Welle von IT-Großrahmen getragen, die diesmal schlicht fehlen. Die eigentliche Vergabeaktivität bewegt sich kaum nach unten — im Gegenteil: 1.160 Zuschläge (+0,6 %) und 1.088 unterschiedliche Gewinnerfirmen (+1,8 %) liegen leicht über der Vorperiode. Und zwei Dinge fallen auf: Das große Geld liegt diesmal wieder dort, wo auch die meisten Aufträge sind — bei den Bauleistungen, die sowohl die Mengen- als auch die Volumen-Rangliste anführen. Und die Mittelstand-Zone (100k–500k EUR) erreicht mit 335 Zuschlägen ihren höchsten Stand in dieser Reihe.
Die Eckdaten
Erhebungszeitraum: 7. Juni 2026 bis 20. Juni 2026 (14-Tage-Fenster, Daten gezogen am 21. Juni). Quelle: TED API v3, Filterung auf buyer-country=DEU, nur publizierte Contract Award Notices. Vorperiode = das vorangehende 14-Tage-Fenster (Ausgabe KW 23, 24.5.–6.6.). Da wir im 14-Tage-Takt berichten, schließt dieses Fenster nahtlos an die Vorperiode an (die am 6. Juni endete) — es fehlt keine Woche. Eine separate „KW 24"-Ausgabe gibt es nicht; die Tage der Kalenderwoche 24 sind in diesem Fenster enthalten.
| Kennzahl | KW 25/2026 | Vorperiode (KW 23) |
|---|---|---|
| Anzahl Zuschlagsbekanntmachungen | 1.160 | 1.153 (+0,6 %) |
| Gesamtvolumen (publizierte Werte) | 1.500.653.534 EUR | 3.446.523.499 EUR (−56,5 %) |
| Eindeutige Gewinner-Firmen | 1.088 | 1.069 (+1,8 %) |
| Ø publiziertes Volumen je Zuschlag | ~1,29 Mio EUR | ~2,99 Mio EUR (−56,7 %) |
| Zuschläge ohne publizierten Wert | 337 (29,1 %) | 332 (28,8 %) |
| Zuschläge > 20 Mio EUR | 11 | 13 (−2) |
Wichtig zur Einordnung der Volumen-Zahl: knapp ein Drittel aller Zuschläge (337 von 1.160) wird ohne Auftragswert veröffentlicht. Die 1,50 Mrd EUR sind also eine Untergrenze, kein Vollbild des Marktes. Und auch diesmal ist die Summe kopflastig, wenn auch weniger extrem als in der Vorperiode: Der größte Einzelauftrag — der Ersatzneubau einer Schleuse am Main-Donau-Kanal (siehe unten) — macht allein 26,1 Prozent des gesamten publizierten Volumens aus, die fünf größten Zuschläge zusammen 42,3 Prozent (Vorperiode: 65 %). Die Konzentration an der Spitze hat sich also gelöst — aber ein einziges Bauprojekt steht immer noch für gut ein Viertel der gesamten publizierten Summe.
Branchen-Verteilung
Diesmal zeigen Mengen- und Volumen-Rangliste in dieselbe Richtung: Bauleistungen führen beide. Das ist die Pointe der Periode — und das genaue Gegenteil der Vorausgabe:
| Kategorie | Zuschläge | Volumen | Ø je Auftrag |
|---|---|---|---|
| Bauleistungen (CPV 45) | 449 | 837,8 Mio EUR | 1,87 Mio EUR |
| Sonstige | 195 | 270,9 Mio EUR | 1,39 Mio EUR |
| Architektur, Ingenieurwesen, technische Dienstleistungen (CPV 71) | 188 | 58,7 Mio EUR | 0,31 Mio EUR |
| Abwasser, Abfall, Reinigung, Umwelt (CPV 90) | 75 | 44,0 Mio EUR | 0,59 Mio EUR |
| Transport, Fahrzeuge (CPV 34) | 60 | 125,6 Mio EUR | 2,09 Mio EUR |
Die fünf größten Kategorien decken zusammen 967 der 1.160 Zuschläge (83 %) ab — und diesmal auch rund 1,34 Mrd EUR und damit 89 Prozent des publizierten Volumens. Das ist der klare Unterschied zur Vorperiode, in der die mengenstärksten Branchen nur rund 30 Prozent des Volumens stellten und das große Geld außerhalb lag. Diesmal liegt es innerhalb: Bauleistungen allein stellen 38,7 Prozent der Mengen und 55,8 Prozent des Volumens — der höchste Bau-Volumenanteil dieser Reihe, getragen vom größten Einzelticket (siehe unten). Den höchsten Durchschnitt je Auftrag hat trotzdem die kleine Kategorie Transport/Fahrzeuge (2,09 Mio EUR) — aber nur, weil ein einzelnes 80-Mio-Fuhrpark-Konsortium die 60 Aufträge nach oben zieht; ohne dieses Ticket läge der Schnitt bei rund 0,8 Mio EUR. Wie stark die Volumen-Rangliste an einzelnen Großvergaben hängt, zeigt sich auch hier wieder.
Top 10 aktivste Bidder
Wer hat in den 14 Tagen die meisten Zuschläge eingefahren? Aggregation pro Gewinner über alle 1.160 Bekanntmachungen. „n. v." bedeutet: für diese Zuschläge wurde kein Wert veröffentlicht — nicht, dass der Auftrag wertlos wäre.
| # | Gewinner | Wins | Volumen (publiziert) | Hauptbranche |
|---|---|---|---|---|
| 1 | OPAL Catering GmbH | 5 | n. v. | Gemeinschaftsverpflegung |
| 2 | Heinrich Schmid GmbH & Co. KG | 4 | 0,11 Mio EUR | Bau (Maler, Ausbau) |
| 3 | Südwestdeutsche Salzwerke AG | 3 | 1,01 Mio EUR | Transport, Fahrzeuge |
| 4 | Drees & Sommer SE | 3 | 0,80 Mio EUR | Projektmanagement, Beratung |
| 5 | Burgenlandküche GmbH | 3 | 0,79 Mio EUR | Gemeinschaftsverpflegung |
| 6 | KONE GmbH | 3 | 0,16 Mio EUR | Bau (Aufzüge) |
| 7 | Allgeier IT GmbH | 3 | nominell (160 EUR) | IT-Dienstleistungen |
| 8 | Siemens Mobility GmbH | 3 | n. v. | Bahn-, Verkehrstechnik |
| 9 | Hitachi Rail GTS Deutschland GmbH | 3 | n. v. | Bahn-Signaltechnik |
| 10 | R+S solutions GmbH | 2 | 4,59 Mio EUR | Technische Gebäudeausrüstung |
An der Spitze steht diesmal die OPAL Catering GmbH (Gemeinschaftsverpflegung für Schulen, Kitas und Kliniken im Rhein-Main-Raum) mit fünf Zuschlägen — alle ohne publizierten Wert. Überhaupt ist die Catering- und Verpflegungsbranche auffällig präsent: Mit Burgenlandküche (Catering, Platz 5) stehen zwei Großküchen-Anbieter in den Top 5. Solche Aufträge sind klassische Rahmenverträge mit hoher Stückzahl an Losen, aber überschaubaren oder nicht veröffentlichten Einzelwerten — die Wins zählen, das publizierte Volumen bleibt niedrig.
Das wertdichteste Paket in den Top 10 hält R+S solutions (technische Gebäudeausrüstung, Fulda): zwei Zuschläge, zusammen 4,59 Mio EUR. Bemerkenswert ist das Mittelfeld bei je drei Wins — ein Querschnitt durch die Infrastruktur: Siemens Mobility und Hitachi Rail GTS (die frühere Thales Ground-Transportation-Sparte, seit 2024 bei Hitachi) stehen für Bahn- und Signaltechnik, KONE für Aufzüge, Drees & Sommer für Projektmanagement. Ein schönes Beispiel für TED-Kategorie-Rauschen liefert die Südwestdeutsche Salzwerke AG auf Platz 3: ein Salzproduzent, der unter „Transport, Fahrzeuge" auftaucht — mit hoher Wahrscheinlichkeit geht es dabei nicht um Fahrzeuge, sondern um Streusalz-Lieferungen für den Winterdienst (die genaue CPV-Zuordnung nennt die Bekanntmachung nicht eindeutig). Auf solche Einsortierungs-Eigenheiten kommen wir im Spotlight zurück.
Top 5 größte Einzelzuschläge
Die Brocken der Periode. Auffällig: vier der fünf sind Bau-, Infrastruktur- oder Mobilitätsvergaben — das exakte Spiegelbild der Vorperiode, in der vier der fünf größten Zuschläge IT-Rahmen waren.
- rund 390 Mio EUR · Bauleistungen — Bietergemeinschaft aus Ed. Züblin AG, STRABAG AG, Züblin Spezialtiefbau und BAUER Spezialtiefbau für den Ersatzneubau der Schleuse Erlangen am Main-Donau-Kanal. Mit Abstand der größte Zuschlag der Periode (26,1 % des gesamten publizierten Volumens). Mehr dazu im Spotlight unten. Hinweis: Die in TED ausgewiesenen 390,9 Mio EUR liegen innerhalb der in Pressemeldungen genannten Spanne (rund 380 bis 500 Mio EUR Bauvolumen) — wir nennen daher „rund 390 Mio EUR".
- 80,0 Mio EUR · Transport, Fahrzeuge — ein Konsortium mehrerer Hamburger Autohäuser (u. a. Renault Retail Group Deutschland, Volkswagen Automobile Hamburg, Ernst Dello) gemeinsam mit der Alphabet Fuhrparkmanagement GmbH (der BMW-Group-Tochter für Leasing und Fuhrparkmanagement). Die Zusammensetzung deutet auf einen Fuhrpark- bzw. Dienstwagen-Rahmenvertrag hin; den konkreten Auftraggeber nennt die Bekanntmachung nicht im Detail.
- 69,2 Mio EUR · Bauleistungen — Bietergemeinschaft aus BeMo Tunnelling (Tunnelbau-Spezialist, Innsbruck) und Hermann Dallmann (Straßen-, Tief- und Gleisbau, Bramsche). Die Kombination legt ein Tunnel- oder Gleisbauprojekt nahe — das genaue Vorhaben ist aus der Zuschlags-Notice nicht zweifelsfrei ablesbar.
- 49,3 Mio EUR · Sonstige — Via Mobility DE GmbH, die deutsche Tochter des US-Mobilitätsanbieters Via (Software und Betrieb für On-Demand-Nahverkehr). Größenordnung und Geschäftsfeld sprechen für einen mehrjährigen Rahmenvertrag im On-Demand-ÖPNV.
- 45,0 Mio EUR · IT-Dienstleistungen, Beratung — ein internationales Konsortium aus Business Integration Partners (Italien), Sopra Steria Belgium, Netlight Consulting (Schweden), PwC EU Services, KPMG und Oliver Wyman. Die Mischung aus IT- und Strategieberatern plus dem EU-Institutionen-Arm von PwC ist typisch für einen breiten, länderübergreifenden Beratungs-Rahmen.
Die fünf größten Zuschläge summieren sich auf rund 634 Mio EUR — 42,3 Prozent des gesamten publizierten Volumens stecken in fünf Vergaben (Vorperiode: 65 %). Die Spitze ist diesmal also deutlich weniger konzentriert als in KW 23, und sie hat das Vorzeichen gewechselt: vier der fünf Brocken sind Bau-, Infrastruktur- oder Mobilitätsvergaben, nur einer (das Beratungs-Konsortium) ist IT-getrieben. Nach der IT-dominierten Spitze der Vorperiode kehrt der deutsche Vergabemarkt damit zu seinem gewohnten Muster zurück: Das große Geld liegt im Bau und in der Infrastruktur.
Spotlight: 390 Mio EUR Schleuse Erlangen — wenn die Kategorie ausnahmsweise stimmt, aber die Details im LV stecken
Der größte Zuschlag der Periode ist in TED unter Bauleistungen eingeordnet — und diesmal stimmt die Kategorie tatsächlich: Es geht um den Ersatzneubau der Schleuse Erlangen am Main-Donau-Kanal, eine reale, öffentlich dokumentierte Infrastrukturmaßnahme, die laut Bekanntmachung im Mai 2026 an eine Bietergemeinschaft vergeben wurde. Anders als beim 1,36-Mrd-„Reparatur und Wartung"-Ticket der Vorperiode verschleiert die CPV-Klasse hier also nicht, worum es geht.
Was die Kategorie aber nicht verrät, ist die Zusammensetzung der Leistung — und die liest man an der Bietergemeinschaft ab:
- Ed. Züblin AG / STRABAG AG — zwei große Allround-Bauunternehmen des STRABAG-Konzerns für den schlüsselfertigen Hoch- und Ingenieurbau.
- Züblin Spezialtiefbau — die Spezialtiefbau-Sparte (Baugruben, Verbau, Gründungen).
- BAUER Spezialtiefbau (Schrobenhausen) — einer der weltweit führenden Spezialtiefbau-Anbieter.
Gleich zwei Spezialtiefbau-Firmen in einer ARGE für ein Schleusen-Projekt sind ein deutliches Signal: Der Auftrag dürfte wasserbau- und gründungslastig sein — Baugrube, Spundwände, Tiefgründung im Grundwasser sind bei solchen Projekten typischerweise die teuren, technisch anspruchsvollen Positionen. Welche genau, in welchen Mengen und mit welchen Anforderungen, steht nicht in der Kategorie und nicht in der Auftragssumme, sondern allein im Leistungsverzeichnis.
Genau das ist die wiederkehrende Lektion dieser Reihe — und sie gilt auch dann, wenn die CPV-Klasse einmal richtig liegt: die Branchen-Kategorie sagt allenfalls, in welchem Regal ein Auftrag liegt, nicht, was tatsächlich darin steckt. Wer als Bieter einschätzen will, ob ein Projekt zum eigenen Portfolio passt, kommt um das Leistungsverzeichnis nicht herum: welche Positionen, welche Mengen, welche technischen Anforderungen wirklich gefordert sind.
Hinweis zur Quelle: Firmen, Auftragswert und CPV-Einordnung stammen aus der TED-Bekanntmachung bzw. öffentlichen Projektmeldungen. Die Einordnung als wasserbau- und gründungslastiges Schleusenprojekt ist unsere Interpretation auf Basis der Bietergemeinschaft und der Projektbeschreibung, keine wörtliche Angabe aus dem Vergabevermerk. Der genaue Auftragswert wird in den Quellen unterschiedlich angegeben (rund 380 bis 500 Mio EUR); TED nennt 390,9 Mio EUR.
Wert-Verteilung — wo das Volumen tatsächlich liegt
Die Vergabe-Realität für die meisten Bieter findet sich in den unteren und mittleren Wert-Klassen, nicht bei den Mega-Tickets:
| Wert-Klasse | Anzahl Zuschläge | Anteil | Vorperiode (KW 23) |
|---|---|---|---|
| < 100k € | 225 | 19,4 % | 252 |
| 100k - 500k € | 335 | 28,9 % | 295 |
| 500k - 1 Mio € | 89 | 7,7 % | 103 |
| 1 - 5 Mio € | 132 | 11,4 % | 129 |
| 5 - 20 Mio € | 31 | 2,7 % | 29 |
| > 20 Mio € | 11 | 0,9 % | 13 |
| Wert nicht publiziert | 337 | 29,1 % | 332 |
Die 100.000–500.000-EUR-Zone ist mit 335 Zuschlägen die größte publizierte Wertklasse — fast ein Drittel aller Aufträge und der höchste Stand in dieser Reihe. Über sechs Ausgaben hinweg lag diese Zone bisher bemerkenswert konstant zwischen 281 und 307 (KW 13/14: 281, KW 18: 307, KW 19: 295, KW 21: 283, KW 23: 295) — die jetzigen 335 brechen erstmals nach oben aus. Das ist genau das Marktsegment, in dem mittelständische Bieter mit 5 bis 50 Mitarbeitern konkurrieren. Ein einzelner Datenpunkt ist noch kein Trend; dass aber ausgerechnet die Mittelstand-Zone in einer ansonsten volumenschwachen Periode wächst, passt zum Gesamtbild „ruhige Spitze, breitere Basis".
An den Rändern ist das Bild gemischt: Die Klasse über 20 Mio EUR gibt leicht nach (13 → 11), die Klasse darunter (5–20 Mio) bleibt praktisch stabil (29 → 31). Die Zahl der Aufträge ohne publizierten Wert ist mit 337 fast unverändert (Vorperiode: 332). Unterm Strich hat sich gegenüber der Vorperiode vor allem die Spitze zurückgebildet, während die mittleren Klassen den Markt tragen.
Was im Sechs-Perioden-Vergleich auffällt
1. Das Volumen halbiert sich — aber nur die Spitze, nicht die Breite. Das publizierte Gesamtvolumen fällt von 3,45 auf 1,50 Mrd EUR (−56 %). Dieser Einbruch ist fast vollständig ein Basiseffekt: In KW 23 stand ein einzelnes 1,36-Mrd-Ticket plus eine IT-Großrahmen-Welle, die diesmal fehlen. Die Aktivität selbst sinkt nicht — die Anzahl der Zuschläge (+0,6 %) und der Gewinner (+1,8 %) liegt sogar leicht höher. Wer den Markt einschätzen will, sollte die Volumen-Schlagzeile mit Vorsicht lesen: Sie misst, ob gerade ein paar Mega-Tickets dabei sind, nicht die Breite des Geschäfts.
2. Das große Geld ist zurück im Bau. In KW 23 lag das Volumen außerhalb der mengenstärksten Branchen (Top-5-Kategorien: nur 30 % des Volumens). Diesmal liegt es wieder innerhalb: Die fünf größten Kategorien stellen 89 Prozent des Volumens, Bauleistungen allein 55,8 Prozent — der höchste Bau-Volumenanteil dieser Reihe. Auch das größte Einzelticket (Schleuse Erlangen) ist ein Bauauftrag. Der Markt kehrt damit zu seinem Normalmuster zurück: bau- und infrastrukturgetrieben.
3. Die Mittelstand-Zone bricht nach oben aus. Die 100k–500k-EUR-Klasse, über fünf Perioden konstant bei rund 290 Aufträgen, springt auf 335 — der höchste Wert der Reihe. In einer volumenschwachen Periode wächst also ausgerechnet das Segment, das für mittelständische Bieter am relevantesten ist. Ein Datenpunkt macht noch keinen Trend, aber die Richtung ist klar.
4. Die Spitze hat das Vorzeichen gewechselt. Nach der IT-dominierten Vorperiode (vier der fünf größten Zuschläge waren IT-Rahmen) sind diesmal vier der fünf Brocken Bau-, Infrastruktur- oder Mobilitätsvergaben. Schleuse, Tunnel-/Gleisbau, Fuhrpark-Rahmen, On-Demand-Verkehr — nur das Beratungs-Konsortium fällt aus dem Muster. Wie stark die Spitze von Ausgabe zu Ausgabe zwischen IT und Bau pendelt, ist selbst ein Befund dieser Reihe.
Methodologie
Daten gezogen via TED API v3, gefiltert auf publication-date in den letzten 14 Tagen mit buyer-country=DEU, nur publizierte Contract Award Notices. Aggregation pro Gewinner über Firmenname (mit weichem Fuzzy-Matching, damit Schreibvarianten desselben Unternehmens zusammenfallen). Volumina sind die offiziell publizierten Auftragswerte; nicht-publizierte Werte fließen nicht in die Gesamt-Volumen-Zahl ein. Da 337 von 1.160 Zuschlägen (29 %) ohne Wert veröffentlicht werden, ist das publizierte Gesamtvolumen eine Untergrenze. „Ø publiziertes Volumen je Zuschlag" = publiziertes Gesamtvolumen geteilt durch die Anzahl aller Zuschläge (Aufträge ohne Wert ziehen den Schnitt rechnerisch nach unten — die Kennzahl misst Volumen-Intensität pro Auftrag, nicht den typischen Auftragswert; bei einer so kopflastigen Verteilung wie hier ist der Median ohnehin aussagekräftiger als der Durchschnitt). CPV-Klassifikation auf Division (zweistellig). Quelle TED, Lizenz CC BY 4.0.
Den vollständigen Mining-Ansatz beschreiben wir im Artikel zu TED CAN Sales Intelligence — wer das selbst nachbauen will, kommt mit einem halben Tag Engineering aus.
Fazit
14 Tage, 1.160 Zuschläge, 1,50 Milliarden Euro, 1.088 unique Gewinnerfirmen. Nach dem Mega-Ticket-Ausreißer der Vorperiode normalisiert sich der Markt: Das Volumen halbiert sich, weil die Großvergaben fehlen — aber die Breite wächst leicht (Anzahl +0,6 %, Gewinner +1,8 %), und die Mittelstand-Zone (100k–500k EUR) erreicht mit 335 Aufträgen ihren höchsten Stand in dieser Reihe. Das große Geld liegt wieder dort, wo auch die meisten Aufträge sind: bei den Bauleistungen, die mit 55,8 Prozent des Volumens und dem größten Einzelticket der Periode (Schleuse Erlangen, rund 390 Mio EUR) sowohl Mengen- als auch Volumen-Rangliste anführen.
Die Lektion dieser Periode steckt wieder im größten Ticket — diesmal aber andersherum: Die TED-Kategorie „Bauleistungen" stimmt sogar, und trotzdem verrät sie nicht, was den Auftrag teuer und technisch anspruchsvoll macht. Dass gleich zwei Spezialtiefbau-Firmen in der Bietergemeinschaft sitzen, sieht man erst, wenn man genauer hinschaut — und welche Positionen, Mengen und Anforderungen wirklich gefordert sind, steht allein im Leistungsverzeichnis. Tender Automation analysiert genau diese deutschen Leistungsverzeichnisse Position für Position: Bieter laden ihr LV hoch, das Tool extrahiert die Positionen und identifiziert die relevanten Hersteller. Mehr unter tenderautomation.de. Nächste Ausgabe dieser Reihe: in zwei Wochen.